TP3: Eingebettete Dialogkomponente für das Kfz

In diesem Arbeitspaket sollen Dialogmaschine und Dialogmanagement auf embedded Plattformen für den Einsatz im Kfz entwickelt werden.

Besondere Herausforderungen für den Einsatz im Kfz

Die besondere Situation des SmartWeb-Benutzers als Fahrer eines Kfz sowie die gegenüber Standard-PCs verringerte Rechenleistung und Abweichungen in den Ein-/Ausgabegeräten machen eine gesonderte Entwicklung für den Einsatz der SmartWeb-Technologien im Kfz erforderlich:

  • Kleiner Footprint und verringerte Prozessorleistung
    Die Leistung von im Kfz verbauten Prozessoren liegt um Größenordnungen unter der Leistung von Desktop-PCs oder Servern und ist i. A. maximal mit der Leistung von PDAs vergleichbar.
  • Kombination von onboard und off-board-Informationen
    Von SmartWeb bereitgestellte Informationen aus dem mobilen Internet müssen im Kfz mit Informationen und informationstechnischen Anwendungen, die onboard verfügbar sind, in für den Benutzer transparenter Weise verknüpft werden. Z.B. müssen Informationen, die onboard vom Navigationssystem bereitgestellt werden (Routenplanung), mit weiteren Informationen aus dem Internet, wie etwa aktuelle Restaurantempfehlungen etc., verbunden werden.
  • Berücksichtigung der Onboard-Ein-Ausgabegeräte
    Das Kfz verfügt über andere Ein-/Ausgabe-Geräte als PCs oder PDAs. Der akustische Kanal im Kfz ist durch eine qualitativ höherwertige Audioausgabe und ein besseres Akustikequipment (zumindest im hochpreisigen Segment) gekennzeichnet. Der optische Ausgabekanal ist im hochpreisigen Segment durch ein im Vergleich zum PDA oder Smartphone größeres Display gekennzeichnet. Ferner kann das Kfz neben dem Display des Navigationssystems noch weitere Displays für Beifahrer bzw. Mitfahrer enthalten. Auf der Eingabeseite stehen die von PC oder PDA bekannten Elemente Keyboard, Maus, Stift nicht zur Verfügung.
  • Berücksichtigung von Command & Control-Sprachkommandos
    Sprachbedienung im Kfz umfasst neben komplexen Dialogen zur Informationssuche oder Routenplanung derzeit hauptsächlich einfache Kommandos zur Gerätesteuerung, wie z.B. "Telefonanruf annehmen" oder "Radio ausschalten". Diese Sprachkommando-Anwendungen dürfen durch die von SmartWeb ermöglichten komplexeren Dialoganwendungen nicht gestört werden.
  • Beachtung der Workload des Fahrers
    Eine besondere Herausforderung an das user interface im Kfz besteht darin, die Ablenkung des Fahrers, insbesondere die visuelle Ablenkung, zu minimieren. Daher kommt der Sprachsteuerung eine größere Bedeutung zu als in anderen Einsatzgebieten.
Potenzial der SmartWeb-Technologien im Kfz

Ein Kfz-Einsatz der in SmartWeb zu entwickelnden Technologien kann z.B. in einem Sprachzugang zu Bedienanleitungen und Service-Daten-Repositorien oder in einem interaktionszentrierten Konversationssystem liegen. Durch automatische Aufbereitung und semantische Annotation von Bedienanleitungen kann z.B. ein Hilfesystem generiert werden, mit dem der Kfz-Nutzer z.B. durch Fragen wie "Wie geht die Klimaanlage aus?" Bedieninformationen zum Kfz abfragen kann. Ein interaktionszentriertes Konversationssystem ermöglicht es, z.B. auf langen Autobahnfahrten einen Dialog mit dem Fahrer über auf dem Weg liegende Points of Interest zu initiieren.

Die technische Realisierung der Kfz-Dialogmaschine trägt den o.g. Anforderungen in folgender Weise Rechnung:

  • Fokus auf Sprachdialog, um die Ablenkung des Fahrers zu minimieren und der reduzierten Verfügbarkeit von Eingabegeräten Rechnung zu tragen
  • Einsatz eines vorgeschalteten Meta-Dialogmanagers zur Abhandlung von Command&Control-Kommandos
  • Verstärkter Einsatz von Dialog-Compiler-Techniken, um Rechnerbelastung zu minimieren
  • Einsatz von Application-Merging-Technologien, um die Kombination von onboard und offboard-Anwendungen zu ermöglichen

Die Dialogführung im Kfz basiert auf den bei der Siemens AG und der DaimlerChrysler AG vorliegenden Komponenten Dialogmaschine und Dialogmanager, die im Projekt an die besonderen Anforderungen von SmartWeb angepasst werden.

Die Dialogmaschine DIANE der Siemens AG verfolgt einen transaktionszentrierten Ansatz. Eine Anwendung wird als eine Menge von Transaktionen definiert. Jede Transaktion enthält eine Menge von Parametern, die zu ihrer Ausführung vom Benutzer eingegeben werden. Im Fall von Mehrdeutigkeiten führt DIANE selbständig einen Klärungsdialog. Das Dialogverhalten ist - auch dynamisch - auf die Modi "restriktiv", "mit Überbeantwortung" oder "frei" einstellbar. Hierdurch ist eine Varianz des Dialoges, z.B. je nach Fahrsituation von "eher geführt" bis "völlig frei", d.h. vollständig Benutzer-initiativ, realisierbar. Transaktionen und Parameter werden über XML-Seiten (DianeXML) definiert.

Ein wichtiger Bestandteil dieses Teilprojekts ist die Entwicklung von Compilern, die es ermöglichen, komplexe Dialoganwendungen offline automatisch aus verschiedenen Informationsquellen, insbesondere aus durch SmartWeb-Analyse-Verfahren erstellten annotierten Dokumenten zu generieren, die auf Kfz-typischer embedded Hardware ablauffähig sind.



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Last modified: Mon Mar 7 15:15:51 CET